Denkfehler.

Gestern hatte ich ein kurzes Gespräch mit einem Geschäftsinhaber, der auf die Plastikproblematik aufmerksam wurde. Über seine Ladentheke gehen im Jahr etwa 4.000 Plastiktüten (was ja nun relativ wenig ist bei einem Laden, der täglich geöffnet ist und viel Kundschaft hat, das entspricht gerade mal 11 Stück pro Tag!) und er macht sich Gedanken, wie er das ändern kann. Ob auf Papiertüten umstellen sinnvoll wäre?

Nein, ist es nicht. Papiertüten stehen in der Ökobilanz nicht unbedingt besser da als Plastik (das ist von mehreren Faktoren abhängig, wie gut oder schlecht tatsächlich). Das ist vielleicht ein bisschen so, als würdest du von Benziner auf Elektroauto umsteigen und dann deinen dafür nötigen Strom erzeugen, indem du Erdöl verbrennst ;) oder was weiß ich.

Jedenfalls gibt es da durchaus sinnvolle Seiten dazu… wie z.B. die schon mal verlinkte Seite mit dem Taschenvergleich der DUH.

Und dann gibt es solche Seiten: “Ja zur Tüte”.

Naja, die ist vom ” Industrieverband Papier- und Folienverpackung e.V.” – was soll man da erwarten ;-)

Kleines Schmankerl von der Seite:

Anteil an den Kunststoff-Verpackungen kleiner als 3%
Der Anteil der Kunststoff-Tragetasche an den gesamten Kunststoff-Verpackungen liegt in Deutschland unter drei Prozent (Quelle: IPV Industrieverband Papier- und Folienverpackungen).

1. die Quelle für diese Angabe ist der Betreiber der Seite selbst. Das lass ich einfach mal so stehen, kann ja trotzdem stimmen. Allerdings findet man auch noch andere lustige Zahlen in anderen Statistiken – unter anderem auch in der Quelle des Punktes obendrüber, wo sogar über das Doppelte dabei herauskommt.

2. Nehmen wir einfach mal an, dass “weniger als 3%” zum Beispiel 2,5% sein könnten. Ich habs nicht so mit Zahlen und wenn ich falsch liege, bitte korrigiere mich, aber für den Fall, dass ich diese Tabelle richtig interpretiere, sind 2,5% des Jahresverbrauchs an Kunststoffverpackungen… warte, mal nachrechnen… oh das sind ja nur 27.500 Tonnen! Dann kann man die ja auch weiter benutzen. 

Es ist einfach Tatsache, dass die Initiative vom Kunden ausgehen muss. Es ist nicht sinnvoll, eine Wegwerftasche durch eine andere zu ersetzen. Es ist genauso wenig sinnvoll, Baumwolltaschen anzubieten, die man in Bangladesh genäht bekommt und dann für einen Euro verkaufen kann, wenn der Kunde mal wieder seinen Beutel vergessen hat. Leute, ihr als Kunden müsst ran! Ihr dürft die Verantwortung an der Stelle nicht den Geschäften aufbürden! Ich bin mir sicher, jeder von uns hat – abhängig von Geschlecht, Haushaltstyp und -größe etc. – mindestens drei bis unendlich viele wiederverwendbare Taschen und Tüten in seinem Haushalt herumfliegen. Wahrscheinlich haben die wenigsten von uns einen echten Grund, innerhalb der nächsten zehn Jahre auch nur einen Cent in irgendetwas für den Transport unserer Einkäufe zu investieren. Selbst wenn alle Taschen und Tüten gerissen sind, wenn du in den nächsten Second-Hand-Laden gehst, wird dir mit Sicherheit etwas Passendes nachgeworfen. Groß, klein, aus starkem oder leichtem Stoff, faltbar oder starr, bunt oder einfarbig, mit Streifen, Punkten, Blümchen oder ganz neutral.

Wie bekommt man denn als Geschäftsinhaber seine Kundschaft dazu, an der Stelle mehr mitzudenken?

Ich bin sehr offen für eure Vorschläge! Mir schwirren schon ein paar Ideen im Kopf herum… mal sehen, ob etwas Sinnvolles dabei heraus kommt.