Ran an die Quitte, bitte!

Falls eine/r von euch auch so gelbe Berge in der Küche herum liegen hat und sich fragt, was er damit anstellen soll, bitte, Inspiration.

Die Quittenfrucht selber enthält viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine (Catechin und Epicatechin), Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.

(sagt Wikipedia)

Na das ist doch was!

Ich hab die erste Stiege Quitten “durch” und bisher ist Gelee mit Gewürzen, Gelee ohne Gewürze und jede Menge Saft (Quitte pur und Quitte mit etwas Apfel) dabei herausgekommen.

Geplant (Stiege Nr. 2) ist noch Quittenbrot, was ich noch nicht kenne, bin gespannt ob das was ist. Ich stelle es mir ja eher unangenehm-körnig vor, und dafür dann die ganze Arbeit? Aber ausprobieren muss man’s schon :)

In meinem britischen Kochbuch rund um’s Essen konservieren heißt das Quittenbrot  “Quince cheese”, was ich irgendwie … seltsam finde. Käse! Ih. Aber tatsächlich lassen die die fertigen Stücke vier Wochen lang reifen. Schon ein bisschen wie ein Käse…

Für die sofortige Anwendung des äußerst feinen Quittengelees habe ich gleich noch – mit Äpfeln quasi frisch vom (eigenen) Baum – Apfelkuchen gebacken und das Gelee zum Glasieren verwendet. Juhu.

Und ganz ehrlich – jetzt reicht’s mal wieder. Der Oktober ist vorbei, die Haupternte hat sich erledigt, was jetzt noch kommt, ist Bonus und ansonsten wird der Garten fertig aufgeräumt und dann das Erntegut genossen statt immer nur verarbeitet.

Übrigens habe ich im Rahmen meiner Quittenflutverarbeiterei Flaschen und Gläser in einer marmeladentauglichen Größe direkt bei Weck bestellt. Mit der Bitte, so plastikarm wie möglich zu versenden. Was soll ich sagen, die haben das hinbekommen. Die Gläser kamen in Faltschachteln mit Pappstreifen zwischendrin, damit nichts zusammenstößt. Zwischen Gläserkartons und äußerer Pappschachtel war nur minimal Platz, der war mit ganz wenig Papiermaterial ausgestopft. Gut, die Gummiringe waren in den üblichen kleinen Plastiktüten, aber das war klar. Ich bin schon mindestens ein kleines bisschen begeistert :)

Die Kartons kommen auch nicht in den Müll, da werden die Gläser drin gelagert, wenn sie leer sind (eigentlich ist es auch gar nicht blöd, wenn sie voll sind, da beschriftbar und gut stapelbar… hm, mal sehn).

Quittenlieblingsrezepte gerne an mich weiterleiten :) -> plastikfreie-rhoen(at)web(punkt)de

“Aber lassen Sie mich Ihnen doch etwas Plastik aufzwingen!”

Hihi. An manchen Tagen geht ja viel schief.

Gestern bin ich morgens viel zu spät losgekommen, aus Gründen. Dann fiel mir unterwegs auf, dass ich vergessen habe, ne Suppe für den Herrn für abends aufzutauen. Das hab’ ich dann gleich wieder vergessen, war auch eh egal, ich war länger unterwegs als mein Mann und hätte eh nicht zaubern können.

Auf dem Heimweg fiel es mir wieder ein, also hab’ ich ihn angerufen. Mit Döner wäre er einverstanden, sagte er, da könnte er sehr gut mit leben.

Also bin ich zum freundlichen Häckselfleischbrötchenproduzenten gefahren, um zwei dieser Dinger für den Mann und für den Schwiegervater zu erstehen. Als erstes, noch bevor sie irgendwas anderes macht, nimmt die Dönerköchin meines Vertrauens eine blaue raschelnde Tüte und plustert sie auf, bereit, um zwei Döner aufzunehmen. Grmpf, denke ich, hätte ich mal vorher was gesagt, aber ich kauf halt so gut wie nie Döner und war nicht drauf vorbereitet.

Als sie dann mal ne Minute Ruhe hat, sag ich “Ich hätte es aber gerne ohne Tüte”, worauf sie mich völlig entgeistert ansieht: “Aber warum denn?”

“Weil es überflüssiger Müll ist. Mein Auto steht vor der Türe, ich brauche sie einfach nicht.”

“Aber wissen Sie, die zahlen doch für das Recycling, das wird alles wieder verwendet, das ist total toll in Deutschland!” versucht sie, mich zu überzeugen.

“Warum soll ich denn einen Aufwand für Recycling betreiben wollen, wenn ich das nicht muss?”

Sie ist immer noch skeptisch. “Das hält aber doch auch warm?” sagt sie, mit leisem Zweifel in der Stimme.

“Bis ich daheim bin, ist er eh kalt und muss nochmal erhitzt werden, egal wie viele Tüten sie da rum wickeln” antworte ich ihr.

“Bei uns in der Türkei ist das ja ganz anders. In Deutschland ist alles sauber, alles hat seine Ordnung, der Müll wird gut eingesammelt und wieder verwertet. In der Türkei fliegt manchmal alles ‘rum und sieht dreckig aus. Das ist echt schon sehr gut hier.” sagt sie und macht Anstalten, meine zwei Döner in die Tüte zu stecken.

“KEINE TÜTE, bitte.” sage ich, mit etwas mehr Nachdruck.

“WIRKLICH NICHT?” fragt sie und guckt mich zum wiederholten Mal mit großen Augen an. “Sonst ist das ja oft andersrum. Die Leute wollen eine Tüte für den kleinsten Schnipsel.”

“Nein, WIRKLICH nicht.” sage ich und bin froh, als ich endlich ohne Tüte draußen bin.

Reicht schon, dass ich nicht vorbereitet war und deswegen die Alufolie in Kauf nehmen musste :-/