Ölteppich

Im Zusammenhang mit Zahnpastaersatzexperimenten (na, ging das Wort ohne zu Stocken? ;-) ) liest man immer wieder davon, dass Leute auf irgendwelche Kombinationen mit Kokosöl umsteigen.

Ich denke nur ein bisschen laut.

Ich bin kein Zahnarzt und ich beanspruche nicht, bei diesem Thema die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben,

aaaaber.

1. Wohin spucken Menschen, die sich mit Kokosöl die Zähne geputzt haben (was in der “plastikfreien Szene” gang und gäbe zu sein scheint), das, was wieder raus muss? Wenn das nämlich im Waschbecken landet, dürfte es nötig sein, dasselbe täglich mindestens zweimal mit etwas deutlich tensidhaltigem auszuwischen und dann hat aus Sicht des Umweltschutzes niemand gewonnen, oder? (Und so oft putzen würd ich auch nicht wollen. Ich rede nicht von “Tropfen abwischen”, sondern von einem Fettfilm, dem man ganz anders zu Leibe rücken muss…)

2. Das Argument, warum Kokosöl so toll geeignet sein soll, ist seine antibakterielle Wirkung. In der Tat enthält Kokosöl wohl größere Mengen Laurinsäure, die antibakterielle Eigenschaften hat. Aber die haben viele Stoffe, warum ausgerechnet Kokosöl nehmen? Und will man überhaupt “antibakteriell” im Mund? Es scheint jedenfalls Zahnärzte zu geben, die meinen, dass das nicht sein muss. Die Kombination aus Schrubben und Spülen entfernt - wie überall im Leben – wohl an sich schon die meisten Keime und außerdem sind ja nicht alle schlecht, Stichwort “Mundflora”…?

3. Die wiederkehrende Frage: Was, wenn das alle machen? So lange das nur ein paar wenige sind, mag es kein großes Problem sein, aber die Lösungsansätze müssen in eine Richtung gehen, die massentauglich ist, wenn sie nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt sein sollen.

In Indonesien wird die Luft knapp, weil für Palmölplantagen brandgerodet wird. Kokosöl ist bitte nicht mit Palmöl zu verwechseln, aber wenn so viel mehr Kokosöl gebraucht werden würde (ich bin leider nicht so der Mathefreak, sonst würd’ ich das mal hochrechnen ;) ), hätte das mit Sicherheit auch Folgen für die Umwelt, nein? Überdies ist es wieder mal etwas, was an der Nordsee einfach nicht wachsen will und importiert werden müsste…

Ich bin und bleibe skeptisch.

Vom gesundheitlichen Aspekt her halte ich irgendwelche unter Zuhilfenahme von Kokosöl selbstgebrauten Zahnpasten, soweit sie aus einwandfreien Stoffen zusammenpüriert sind, für eine deutliche Verbesserung gegenüber gekauften Zahnpasten. Allerdings nur kurzfristig (und nur, wenn sie nicht dazu führen, dass der Einsatz von Tensiden im Haushalt massiv zunimmt). Langfristig hat – vermute ich – eine gesteigerte Produktion von Kokosöl, genau wie die Verwendung von Zahnpasta in Plastiktuben, auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Vielleicht nicht auf die von jemandem, der an der Nordsee wohnt. Aber vielleicht auf jemanden auf den Philippinen. Oder deine Urenkel.

Und jetzt überlegen wir mal weiter. :)

Nachtrag: Vielleicht sitze ich einem Denkfehler auf. Vielleicht wäre die Reduktion der Umweltbelastung durch Verzicht auf herkömmliche Zahnpasten so immens, dass das Kokosöl tatsächlich die bessere Lösung wäre, ich weiß es nicht. Aber ich glaube eine gute Idee könnte sein, jeweils regional zu schauen, was an Brauchbarem zur Verfügung steht. Sollen sie in Asien die Zähne mit Kokosöl putzen, auf Rügen mit Kreide ;) , in Mitteleuropa und Amerika mit Heilerde, in Finnland mit Xylit… was weiß ich ;)