Holz in der Küche

Wenn ich einen Vortrag vorbereite, versuche ich naturgemäß, mir vorher schon alle möglichen Fragen auszudenken, die kommen könnten – damit ich die Möglichkeit habe, Antworten zu finden auf die, die ich mit dem jetzigen Wissensstand selbst nicht beantworten kann. Dann gibt es aber auch Fragen, die völlig unkompliziert zu beantworten sind, auch ohne jedes Vorwissen, aber deren schiere Existenz einen staunen lässt.

So eine Frage kam beim ersten Vortrag, als ich Zweifel anmeldete in Bezug darauf, ob man Melamin in der Küche, speziell zum Kochen benutzen sollte (ich meine: ein klares Nein, aus mindestens zwei Gründen). Da fragte nämlich jemand: Ja, was denn dann? Was benutze ich denn in meinen beschichteten Pfannen?

Ich war kurz völlig verwirrt und habe versucht, mich zu erinnern, was man außer Holz denn noch zum Umrühren verwenden könnte (es müsste ja etwas sein, das den beschichteten Pfannen schadet), ich kam auf nichts. Weil ich Plastik in enger Verbindung mit meinem Essen (also als Rührlöffel oder Pfannenwender) noch nie besonders erotisch fand. Auch von Teflonpfannen mache ich einen Schritt weg. Neue kommen mir nicht mehr ins Haus. Es gibt großartige und auch nicht zu teure Eisenpfannen in verschiedenen Größen, z.B. bei monomeer oder Manufactum oder, wenn du nicht noch mehr im Hinterwald wohnst als ich, wahrscheinlich auch im nächsten Haushaltswarengeschäft. ;-)

Meine nächste Offline-Anlaufstelle wäre der Schnupp in Ostheim (die bestellen einem auch gerne mal was mit!), wahrscheinlich gibt es in Hilders auch so einen Laden, aber da kenne ich mich nicht so gut aus und bisher dürften die meisten Besucher hier aus der Bad Neustädter Gegend kommen, für die ist das eh uninteressant und die wissen auch, wo sie ihre Haushaltswaren bekommen (dennoch, her mit den Tipps bitte!).

Aber auch mit Teflonpfannen braucht man kein Plastik zum Umrühren! Es gibt wunderbare Holzkochlöffel und -Pfannenwender, aus einem Stück gefertigt – ich kann mir kaum vorstellen, dass es einen Haushalt gibt, wo so etwas nicht eh in irgendeiner Schublade liegt?

In den letzten Tagen fiel mir auf, dass meine Kochlöffel doch etwas gelitten haben im Laufe der Zeit (manche davon sind auch schon uralte “Erbstücke”). Wir haben eine Vollholzküche, die ich ab und zu mit Leinöl einreibe, meine Schneidbretter bekommen auch regelmäßig eine “Salbung”, aber mit den Löffeln hab’ ich mich noch nie weiter befasst. Manche Sachen weiß ich einfach nicht, man kann ja auch nicht alles wissen.

ungeölt

Auf Pinterest bin ich über diesen Beitrag gestolpert: How to make spoon oil. Die Autorin mischt Bienenwachs mit “mineral oil”, was nicht näher bezeichnet wird, und reibt damit ihre Kochlöffel und Brettchen ein. “Mineral oil” möchte ich in meiner Küche nicht haben, Leinöl dagegen liest man oft im Zusammenhang mit Holzpflege in der Küche und außerdem wird das direkt bei mir um die Ecke in Weimarschmieden hergestellt und ist somit eine dermaßen regionale Lösung, dass man schier nicht dran vorbei kommt :)

Im “spoon oil”-Artikel schreibt die Dame, dass pflanzliche Öle ranzig werden können und das in der Küche ja durchaus ein Problem wäre. Das Problem seh’ ich bei Kochutensilien wie Löffen und Pfannenwendern nicht so richtig, denn die sind ja ständig in Benutzung, werden abgespült etc. – man lässt sie nicht sieben Monate liegen und benutzt sie dann einmal, um festzustellen: oh, ranzig.

Also, ich sag’s nochmal – ich kenne mich mit der Materie nicht besonders gut aus. Ich hab’ gestern einfach mal einen Test gemacht und alles, was mir so an Holzkram in die Finger kam, mit einer Mischung aus (wenig) Bienenwachs und (viel) Leinöl eingerieben, hab das Ganze über Nacht einziehen lassen, heute morgen nochmal abgewischt und dann wieder an die entsprechenden Orte verteilt.

Die Mischung habe ich hergestellt, indem ich einen knappen Esslöffel Bienenwachspellets in einem Wasserbadschälchen geschmolzen habe, das ich hinterher mit Leinöl nach und nach aufgefüllt habe (Verhältnis 5 Teile Öl, 1 Teil Wachs, im Zweifel eher noch mehr Öl; immer ein bisschen nachgießen und mit erwärmen, weil das Wachs sonst ausflockt und man hat einen Klumpen Wachs in Öl, statt einer homogenen Mischung). Das habe ich abkühlen lassen und dann mit einem Baumwolllappen großzügig aufgetragen. Der Rest steht im Kühlschrank. A propos Baumwolllappen: Der sollte hinterher in einen nicht brennbaren, luftdicht schließenden Behälter – Leinöl neigt wohl unter bestimmten Bedingungen zum Selbstentzünden. Da Schreiner aber Leinöl für Holzmöbel verwenden, gehe ich nicht davon aus, dass eine der Bedingungen “in meinen Küchenschrank eingerieben” lautet! ;-)

frisch gesalbt

Würde mich freuen, wenn jemand was dazu sagt, der sich auskennt – speziell mit der Verwendung von Sachen in der Küche.

Wer sich ein bisschen zum Thema “Öle und Möbel aus unbehandeltem Holz” unterhalten lassen möchte, der klicke hier (mehrere Videos zum Thema, vorgestellt von einem Tischlermeister und Restaurator).

wieder alles an seinem Platz…