Plastikarme Pilze?

Pilze gehören zu den Lebensmitteln, die selten geworden sind im Hause König. Obwohl wir sie mögen – man bekommt sie halt im Supermarkt meist nur mit viel Plastik drumherum. Ausnahme: Einmal hab ich welche gefunden im Spankörbchen, ich glaube aber, auch das war in Folie eingewickelt. Also in der Menge weniger Kunststoff als bei den normalen “Plastikschalenpilzen”, aber halt trotzdem noch welcher.

Wir haben in den letzten Jahren zwei- oder dreimal Pilze zum Selberzüchten verschenkt. Auch nicht plastikfrei. Das mit Pilzkultur geimpfte Substrat wird klatschnass verschickt. Da ginge außer stabiler Plastiktüte im Karton höchstens noch ein Pfandsystem (gute Idee eigentlich, nein?) oder irgendwas, was man hinterher noch anderweitig verwenden kann (wobei das auf eine Plastiktüte ja durchaus zutrifft, man könnte sie zumindest noch als Müllbeutel verwenden, was aber nur sinnvoll wäre, wenn man sonst auch welche aus Plastik verwendet und nicht z.B. Papier zur Tüte faltet wie z.B. hier bei youtube gezeigt). Oder man probiert ein bisschen herum, ob es sich nicht weiter reduzieren lässt. In einem Karton mit Champignonkultur sollen ca. 4 kg Ertrag rauskommen. Den Plastikanteil konnte ich noch nicht wiegen, da die Kiste, die aktuell in unserem eher kühlen Flur steht, noch voll ist mit Substrat, Wasser und Pilzen. Bisher haben wir 650 g geerntet, einfach nur die ersten Pilze. Ein Vergleich vom Plastikverbrauch mit denen, die man kauft, wäre natürlich interessant, wobei man es nicht wirklich ausrechnen kann, das Palettenplastik wird nicht eingerechnet und man kann dem Pilzversender auch nicht in den Keller gucken, was noch alles verbraten wird auf dem Weg bis zum Versand.

So. Und was jetzt, wenn ich aus dem Substrat was rausnehme und es selbst nochmal in einer Schüssel unter frisches, gut nasses Stroh/Kaffeesatz/Kompost/was auch immer mische? Müsste sich das so nicht verlängern lassen? Immer und immer wieder, wie bei Sauerteig?

Man wird es erforschen. Bald.

Und dann natürlich berichten.

Von “nomacorc” hat sich übrigens niemand bei mir gemeldet um Fragen zu beantworten. Wie so oft. Entweder man muss zehnmal nachfragen, weil die Antworten irgendwas zwischen oberflächlich und hanebüchen sind oder man bekommt gar keine Antwort. Bis auf wenige löbliche Ausnahmen :)

Griechischer Bergtee

Das ist was für den Winter.

Und es wächst in der Rhön. Zugegeben, nicht von selbst und möglicherweise bisher nur in meinem Garten. Aber man kann die Samen bei Dreschflegel bestellen, und da meine Pflanzen nun schon das dritte Jahr ab Aussaat erfolgreich hinter sich gebracht und einiges an extrem wohlschmeckender Ernte abgeworfen haben, traue ich mich sagen: Das Rhöner Mittelgebirge scheint mit den griechischen Berglandschaften mithalten zu können.

Unser Garten hat sehr nährstoffreichen, humosen, überwiegend lockeren Boden. Der griechische Bergtee – auch griechisches Eisenkraut genannt – wächst üblicherweise auf kargem, felsigem Untergrund. Uff. Ob das was wird? Und siehe, es wurde!

Fladunger Griechischer Bergtee in seiner ganzen blühenden Schönheit

Der Tee, der via Dreschflegel zu beziehen ist, ist genau genommen Kretischer Bergtee, Sideritis syriaca, jedenfalls steht Letzteres auf dem Samentütchen – wenn ich mir die Fotos auf Wikipedia so anschaue, denke ich, vielleicht haben die sich auch nur verschrieben. Wenn man den Tee in einem Teeladen oder in der Apotheke bestellt, bekommt man in der Regel Sideritis scardica. Ob es da einen nennenswerten Unterschied gibt: weiß ich nicht, wenn überhaupt, dann eher bei den Inhaltsstoffen, geschmacklich sind beide prima, und in Wirklichkeit kann man wahrscheinlich  handgezähmten Fladunger Hinterwaldtee mit dem wilden griechischen Original nicht vergleichen – die Bedingungen sind einfach zu unterschiedlich.

Ich habe jedenfalls gerade mal wieder die Fladunger Version gekocht und ich könnte mich reinlegen. Schmeckt leicht zimtig, mild, ach: perfekt. :) Ausprobieren! Nach Voranmeldung kannst du gerne auf eine Tasse Tee bei mir vorbeikommen.

Dem griechischen Bergtee werden allerhand gesundheitliche Wirkungen nachgesagt. Ob die im Einzelnen wirklich gut belegt sind, weiß ich natürlich nicht. Aber gelesen habe ich von positiven Auswirkungen auf ADS, stimmungsaufhellender Wirkung (also das Richtige für den Winter), bei Erkältungen ist Tee trinken eh gut. In einem Versuch mit transgenen Mäusen konnte wohl belegt werden, dass sie weniger Alzheimer-typische Ablagerungen im Gehirn ausbildeten, nachdem sie mit Extrakten aus griechischem Bergtee gefüttert wurden (Quelle).

Na, das ist doch was.

Und was hat das jetzt mit “plastikfrei” zu tun?

Wenn der Tee in der Rhön wächst, muss er nicht importiert werden. Die übermäßige Wildsammlung für den Export schadet den Beständen in Griechenland. Natürlich ist der Tee in Papiersäcken zu kriegen (zum Beispiel im Teeladen in Ostheim) und man muss nicht zwingend Plastik mitkaufen. Aber wenn etwas so einfach und anspruchslos hier wächst, warum nicht selbst anbauen und gar nicht erst Müll verursachen? Kein Palettenplastik, kein Transportplastik, keine Treibstoffe, relativ kontrollierte Bedingungen beim Anbau und im Ergebnis sehr leckerer Tee, der auch noch gesund zu sein scheint. Und wunderschön ist, vor allem wenn er blüht!

rote Gartenmelde gibt ‘nen schönen Hintergrund :)

Plastikfrei aufbrühen geht bei selbstgeerntetem Tee auch ganz leicht. Entweder den frischen Tee in ca. 5 mm  – 1 cm große Stücke schneiden (Stiel, Blüten, Blätter, alles rein) und mit kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen. Oder die Ernte in Sträußen oder flach ausgelegt trocknen und nach dem Trocknen in ca.5 mm –  1 cm große Stücke schneiden, in ein großes, fest verschließbares Glas füllen und dunkel und trocken lagern. In diesem Fall übergieße ich dann den getrockneten Tee mit kochendem Wasser und lasse ihn 10 Minuten ziehen. Ich benutze dafür keine Beutel, ich gebe den Tee einfach in einen Emaille-Liter-Messbecher und gieße dann durch ein Edelstahl-Haarsieb ab, der Tee kommt nach Gebrauch auf den Kompost, Voilá, kein Müll.

Zu Risiken, Neben- und Wechselwirkungen… fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, schon klar, gell?