Mami, da ist was in meinem Essen.

Mineralöl ist mal wieder im Trend. Diesmal im Bio-Grieß, in Cornflakes und Reis im Pappkarton.

Foodwatch hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben und das Ergebnis mit einigen Erklärungen kann man hier bewundern.

Tja Leute, wenn das mit der Pappe so ne fiese Geschichte ist, dann müssen wir natürlich alle Plastik kaufen! Und überall Plastiksäcke als Innenverpackung reinmachen, damit da nichts migriert!

Oder doch nicht. Wenn man sich die Testergebnisse mal anschaut, ist es – in meinen Augen, die ich natürlich chemisch und toxikologisch weitgehend ungebildet bin – absolut undramatisch. Ich verstehe nicht, warum und von wem jetzt dieses Fass aufgemacht wird.

Wenn du ein Problem mit Mineralöl in und an deinem Körper hast, dann räum’ erst mal dein Badezimmer auf. Check’ mal die Inhaltsstoffe von deiner Mascara, deinem Haarwachs, deiner Tagescreme, Handcreme, Bodylotion, deiner tausend anderen Cremes für alle Gelegenheiten, von Körperölen und was-weiß-ich-noch-alles. Wenn du im Badezimmer fertig bist, nimm dir das Medizinschränkchen vor. Und fass’ auf keinen Fall jemals wieder deine gepflegten Schuhe an, am besten: gar nicht mehr pflegen. Da könnte was migrieren.

Verkaufe dein Auto und zieh’ irgendwo in die Berge, wo die Luft klar ist. Streiche dein Wohnzimmer mit Eitempera und kaufe vor allem einfach nur noch das wirklich Nötige.

Dass foodwatch auf’s Essen schaut, ist logisch, dazu sind die da. Dass man das Supermarktessen hinterfragt: voll dafür! Meine Rede! Aber ich bin nicht so der Freund davon, so ein großes gesundheitliches Risiko aus Recyclingkarton zu konstruieren.

Und werde das auch weiterhin nicht tun.

Moralische Instanz

Es passiert nun immer wieder, dass Leute Sachen zu mir sagen wie  “oh wenn du gesehen hättest, was diese Woche alles in unserem gelben Sack war” oder “ich hab hier ein paar Pralinen*) für dich… oh… da ist Plastikfolie außendrum, hab ich schon wieder nicht aufgepasst…” oder jemand rechtfertigt sich dafür, dass er weiterhin XY kauft/benutzt/gut findet.

Also – das find ich ein bisschen gruselig! Wenn ich eines nicht sein möchte, dann so ein Moralapostel. Das fängt nämlich sonst an mit dem oben zitierten und endet dabei, dass ihr alle nur noch vermummt einkaufen geht, weil ich in der Nähe sein könnte! ;-)

Ich selbst gehe nach wie vor unvermummt einkaufen, auch wenn mal eine Tüte Gummibärchen in meinem Wagen landet. Ich definiere mich nicht über “Plastikfreiheit” und das sollte auch niemand sonst tun. Was ich möchte, ist meinen Teil dazu beitragen, dass wir bewusster leben, jeder in dem Maß, das er aushalten kann. Und wenn ich es manchmal ohne Gummibärchen nicht aushalte, dann ist das so, und dann muss ich halt im Gegenzug für den Einkauf die kognitive Dissonanz aushalten! (Ist machbar!)

Bitte entschuldige dich nicht (vor mir oder sonst jemandem) für das, was du tust oder lässt. Ich werde nicht über dich urteilen. Niemand sonst sollte das tun. Und bitte tu es auch nicht über mich.

Das war’s auch schon. Danke. :)

*) Herzlichen Dank übrigens, Gerlinde, ich hab schon eine Idee, wie wir die Packung nochmal in Umlauf bringen und so immerhin Mehrfachnutzung zuführen :D