Leben ohne Plastik ist ja Quatsch.

Oder zumindest eine ganz große Verallgemeinerung und völlig utopisch.
Entschuldigung im Voraus, aber ernsthaft, es geht nicht mehr, wenn man einen gewissen Lebensstandard aufrecht erhalten will (sagen wir, so einen Lebensstandard, wie dass man nicht stirbt bei einer kleinen Operation – oder dass die überhaupt durchgeführt werden könnte).

Es gibt ganz viele Stellen, wo der eine oder andere auf Plastik angewiesen ist (z.B. in der Medizin, um nur gleich mal was potentiell lebensnotwendiges zu nennen), aber auch ganz viele, wo kompletter Kunststoffverzicht das Leben unfassbar viel komplizierter machen würde.
Angefangen bei greifbaren Dingen wie Lichtschaltern, Autoinnenausstattung, Computerzubehör. Und weniger greif- oder sichtbar, wie Kabelisolierung, Wasserrohre…

Es gibt ganz viel, wo Plastik tatsächlich sinnvoll ist. Wer als Selbstversorger mit Waschbrett und Kernseife, ohne Strom und mit ab und zu nem geschlachteten Schaf zurecht kommt, soll damit glücklich werden. Ich finde das prima, wenn das jemand kann und in meinem auch mit knapp 40 noch hoffnungslos romantischen Herzen fühlt sich das in der Theorie auch richtig gut an. Werden aber die wenigsten sein. Die meisten von uns sind nicht bereit zu so einem recht speziellen Einsiedlerleben, wie es das wahrscheinlich wäre. Es würde sich wie früher der ganze Tag im Wesentlichen darum drehen, das Leben zu unterhalten. Das heißt, heute tut es das ja auch meist, aber halt ganz anders. Man geht Geld verdienen in mehr oder weniger unsinnigen Jobs, damit man es ausgeben kann für etwas, was andere in mehr oder weniger unsinnigen Jobs hergestellt haben.

Den Sprung auszulassen und das, was ich brauche, selbst herzustellen, weniger abhängig zu sein vom Geld verdienen, dafür besser zu wissen, was ich wirklich um mich habe und von meiner eigenen Hände Arbeit tatsächlich im direkten Sinne zu leben, das übt einen großen Reiz auf mich aus. Aber natürlich fehlt mir viel dafür, was ich noch lernen müsste. Natürlich braucht es mehr Kraft, den ganzen Anbau und gegebenenfalls auch Tierhaltung und alles, was sonst dazu gehört, aufrecht zu erhalten – statt sich zum Beispiel täglich seinen Hintern ein paar Stunden lang auf einem Bürostuhl platt zu drücken und nach der Arbeit kurz im Supermarkt vorbei zu schauen.

Das hier find’ ich ne spannende Sache, wo ich immer wieder gerne querlese. Da ich das nur punktuell tu – meist wenn ich nach etwas Bestimmtem suche – ist mir der genaue Hintergrund der Leute, die diese Website betreiben, nicht bekannt, vielleicht grabe ich mich bei Gelegenheit mal tiefer rein. Ich vermute, dass (echte) Selbstversorgung leichter ist, wenn man eine (große) Familie hinter und mit sich hat, als wenn man sich relativ “fremd” mit ähnlichen Absichten zusammenfinden muss – viel Konfliktpotential, vermute ich.

Aber zurück zum Anfang – nämlich der Überschrift: Leben mit so dermaßen bescheuert viel Plastik, wie wir es heutzutage gewohnt sind, ist noch viel größerer Quatsch.

Aus der “Zero-Waste” (=”null Müll”) – Bewegung bring ich mal die “5 R” (okay, klappt nur auf Englisch mit den “R”) ins Spiel:

  • Refuse
  • Reduce
  • Reuse
  • Recycle
  • Rot

Oder auf Deutsch:

  • Verweigern/Vermeiden
  • Reduzieren
  • Wieder verwenden
  • Wieder verwerten/Recycling
  • Kompostieren*)

und zwar in dieser Reihenfolge! Wenn man das Ganze nur auf einen Teil seines Konsums anwendet, ist schon wahnsinnig viel gewonnen :-)

Viel Spaß beim Ausprobieren!

*) Vielleicht würde man im Deutschen “Fünf W” hinbekommen, mit Weigern, Weniger kaufen, Wieder verwenden, Wieder verwerten, W... äh, da verließen sie ihn!