Das geht doch auch noch mit mehr Plastik.

Gestern war ich bei Aldi. Ich geh da nicht gern hin, aber ab und zu halt doch.

Der neueste Clou scheint zu sein, dass man etwas, was mit wenig Plastik funktioniert, mit viel Plastik ja sicher auch verkaufen kann. In dem Fall: Brokkoli. Den kann man – außer auf dem Markt, denke ich – prinzipiell nur in Plastikfolie eingewickelt kaufen. Die Köpfe sind normalerweise so zweimal mit dieser dünnen Folie umwickelt. Gestern beim Aldi hab ich Brokkoli gesehen, der schon in Röschen zerteilt war, diese Röschen lagen in einer Plastikschale (wie Karotten), die wiederum nochmal mit Plastikfolie umwickelt war. Also eine komplett überflüssige Schale, weil es ohne ja auch funktioniert.

Warum, Aldi, warum?

Wenn man da jetzt nachfragt, heißt es sicher “es wird von der Kundschaft gut angenommen, der Kunde möchte das so.” Naja, wenn der Kunde halt nicht so die Wahl hat… ich glaub ich schreib trotzdem mal wieder ne Mail.

Ganz prima (jetzt nicht wirklich) fand ich auch in Plastik verpackte “Feuchte Möbeltücher” (oder so ähnlich). Ich kenne feuchte Möbeltücher. Sie liegen in meinem Schrank, sind aus Baumwolle oder Mikrofaser, trocken, und wenn ich sie unter den Wasserhahn halte, sind sie feucht und wischen meine Möbel ganz hervorragend sauber – und hinterher kann man sie waschen, statt sie und ihre Verpackung nach einmaligem Gebrauch wegzuwerfen! Ehrlich, sowas braucht kein Mensch…

Wer braucht eigentlich Plastiktüten?

Jetzt mal ernsthaft. Man hat ja als einzelne Person nicht alles auf dem Schirm. Vielleicht ist es ja Quatsch zu sagen “Niemand braucht Plastiktüten”. Vielleicht gibt es ja tatsächlich sinnvolle Anwendungen. Mir fallen als erstes diese Riesentüten ein, worein im Krankenhaus die persönlichen Dinge verpackt werden, wenn ein Patient verlegt wird oder in den OP kommt. Wobei ich denke, man hat doch normalerweise eh seine Tasche dabei, warum muss es extra in seine Tüte? Das wäre aber jedenfalls ein Fall, wo ich einsehe, dass es jedesmal eine neue sein muss. Verkeimung und so.

Vielleicht kann jemand aus der (Intensiv-?) Pflege dazu Auskunft geben?

Ich wünsche mir ab und zu eine Tüte, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, etwas im Korb habe und nicht sicher bin, ob das Wetter hält. Spricht ja auch nichts dagegen, für solche Fälle eine Tüte bereit zu halten, die kann man ja tatsächlich immer wieder verwenden. Mal sehen, ich denke irgendwo auf dem Dachboden könnte ich noch was finden. Gekauft oder kostenlos mitgenommen hab’ ich schon lang keine mehr.

Davon abgesehen fällt mir grade nichts ein, was aber einfach daran liegen mag, dass man ja vorrangig immer nur sein eigenes kleines Leben im Blick hat.

In Deutschland verbrauchen wir angeblich um die 70 Tüten pro Person und Jahr. Ich frage mich, wie in dem Zusammenhang der Begriff “Tüte” definiert ist. Die Hemdchenbeutel aus der Gemüseabteilung können da nicht eingerechnet sein, oder? Natürlich gibt es viele Leute, die auf Plastiktüten verzichten… aber gerade in der Stadt sind die Tüten einfach überall zu sehen, und selten alleine, meist im dicken Bündel. In Berlin gehen angeblich in einer Stunde 30.000 Tüten über die Ladentheke, und da ich an anderer Stelle gelesen habe, dass an einem Tag in Berlin 710.000 Tüten ausgegeben werden (NEUE!), ist das sogar hochgerechnet – und nicht auf die reinen Ladenöffnungszeiten bezogen. Unfassbar.

Manche Länder haben größere Probleme als andere mit den bunten Knisterdingern (oder haben das Problem früher erkannt) und haben deshalb schon lange ein Tütenverbot ausgesprochen.

Wikipedia weiß mehr dazu und zeigt uns auch ein Bild:


Bild: „Plastic bag legislation“ von ElekhhEigenes Werk.
Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Legende:
grün: Plastiktüten verboten
gelb: Besteuerung von bestimmten Tütenarten
lila: Teilweise Besteuerung oder Verbot auf kommunaler oder regionaler Ebene

Bevor jetzt alle Papiertüten kaufen: Stopp! Wir haben doch eh alle genug Taschen daheim rumfliegen. Einfach regelmäßig wieder ins Auto oder den Fahrradkorb packen, damit man sie immer dabei hat. Sollte es tatsächlich noch einen Menschen auf der Welt geben, der nicht genug Taschen hat, der greife beim nächsten Mal zu einer stabilen Tragetasche aus Recyclingkunststoff, das ist nämlich laut DUH die mit der besten Ökobilanz…

Wer sich noch etwas ins Thema graben möchte: ein PDF vom Umweltbundesamt, bitteschön.