Schwan Stabilo reitet schon mal vor.

Gestern hab’ ich im Radio irgendwas von Schwan Stabilo aufgeschnappt. Ich habe nur halb hingehört, weil es um irgendwelche Geschäftsberichte ging, und bei solchen Nachrichten hält sich mein Interesse immer in engen Grenzen.

Und dann lese ich kurz drauf, dass der Greenpoint von Schwan Stabilo der weltweit erste Stift mit Cradle-to-Cradle-Zertifizierung ist.

Er besteht aus Recycling-Kunststoff und kann nach Gebrauch beim Hersteller zurück gegeben werden (frage mich nur, wie? Kann ich die bei meinem Schreibwarenladen zurück geben und hoffen, dass der sie nicht in die Tonne klopft, sondern ne Sammellieferung an den Hersteller schickt? Muss ich nach Mittelfranken und bei Schwan Stabilo klingeln? Schicke ich sie mit der Post? Ich frage da mal nach).

96% RECYCELT. 100 % GUTES GEWISSEN.

Der STABILO GREENpoint ist gedacht für alle, die an die Umwelt denken. 96% des GREENpoints werden wiederverwertet. Das bedeutet: Natürliche Ressourcen wie Wasser und Energie werden geschont und Müllberge kleiner.

Weltweit einzigartig

Der STABILO GREENpoint ist der erste Stift auf der Welt, der das Cradle-to-Cradle Zertifikat in silber erhalten hat. Das erhalten nur Produkte, die umweltfreundliche, sichere und recycelbare Materialien verwenden. Cradle to Cradle zertifizierte Produkte ermöglichen einen geschlossenen Produktzyklus durch ständiges Recycling.

(Quelle)

Selbst brauche ich keine Filzstifte, insofern ist es für mich relativ uninteressant. Aber ihr Muttis da draußen, die ihr euren Septemberkonsum jährlich neu von plastiksüchtigen Pädagogen diktiert bekommt, euch interessiert das doch vielleicht!

Ziemlich cool finde ich übrigens, dass Trigema eine C2C-Kollektion hat. Yay. Wenn du die Shirts dann immer schön mit Kastanien oder Efeublättern wäschst, steht dem kompostieren tatsächlich nichts im Wege. :)

Was, wenn’s alle tun?

Die Frage stellt sich mir sehr oft. Man sollte die Dinge “zu Ende denken”.

  • Was, wenn keiner mehr Plastikzahnbürsten kauft und sich fürderhin alle mit der Bambusversion die Zähne putzen?
  • Was, wenn alle Hersteller, die bisher Sachen in PE-Folien etc. einpacken, das plötzlich mit irgendwas tun, was kompostierbar ist?
  • Was, wenn alle Leute Milch und Saft in Flaschen kaufen (und Tetra-Paks quasi aussterben würden)?

Ich stelle oft fest, dass ich zu wenig weiß. Es fängt schon da an, dass man (Sendung mit der Maus, natürlich!) sieht, wie in einer Fabrik 35 Staubsauger in der Stunde vom Band rollen und die Hintergrundstimme sagt “das läuft hier 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr”. Und man rechnet kurz nach und denkt: Wer zum Geier braucht denn so viele Staubsauger? Sowas sprengt absolut meine Vorstellungskraft. Alle Zahlen, die, sagen wir, größer als acht sind, sind eigentlich schon zu viel für mich ;-)

Wenn alle Leute Milch in Flaschen kaufen würden, die jetzt Tetra-Paks nehmen, wie viel mehr Diesel würde rausgepustet werden wegen des vergrößerten Transportaufwandes? Wie viel mehr Energie würde in Recycling gesteckt werden? Wie viel mehr Chemie würde wegen des Ausspülens verpulvert werden müssen? Wie ist das mit den Deckeln?

Wäre es überhaupt mehr “Chemie”, wenn dafür doch das Plastik vom Tetra-Pak komplett wegfiele? Wären vielleicht scharfe Spülmittel und vermehrter Dieselverbrauch zusammen weniger schlimm als der Müll, der mit Tetra-Paks anfällt (und verbrannt wird)?

Wenn ein einzelner Hersteller irgendwas in Bioplastik (Agroplastik) wickelt, klingt das vielleicht nett. Aber könnten das alle? Um Himmels willen, nein.

Und deshalb muss (für mich!) die Lösung sein: auf manches verzichten, manches selbst machen, und ansonsten Augen und Ohren offenhalten, was Cradle to Cradle betrifft. Wahrscheinlich gibt es irre viele Lösungen, es muss sie nur mal jemand finden…