Sauber!

Vor zwei Jahren haben wir einen neuen Backofen bekommen, der alte war kaputt und ich stand zum ersten Mal in meinem Leben vor einem wahrhaft blitzend neuen Ofen. Was mich zum ersten Mal in meinem Leben vor das Problem stellte, wie ich diesen Zustand trotz heftiger Benutzung (wir backen so gut wie alles an Brot, Pizza, Kuchen etc. selbst) möglichst lange aufrecht erhalten könnte. Ich hab erst mal die Anleitung gelesen. Bei den “Wichtigen Hinweisen” stand dabei, was man alles nicht darf: Scheuermittel. Microfaserlappen. Scheuerschwämme. Dieses chemische Mittel. Und jenes. Am besten nur mit Samthandschuhen trocken abstauben, so ähnlich las es sich. Tatsächlich gab es keinen Hinweis darauf, wie man das Ding denn nun ordnungsgemäß – und ohne Schäden zu verursachen – sauber bekommen könnte. Alte Öfen sauber kriegen (bei denen ich keine Anleitungen mit Verboten vor mir liegen hatte) – kein Problem! Aber das hier? Mit Wattebäuschchen und heißem Wasser? Nicht bei der Art von Verschmutzung, die ICH regelmäßig verursache ;)

Für den Grillrost und die Seitenteile, in denen die Roste/Bleche eingehangen werden und die man herausnehmen kann, benutze ich Sodalösung und – ganz rabiat – einen Edelstahltopfkratzer. Damit geht das in Sekunden. Wenn du nicht so rabiat ran willst, weiche die Teile in Sodalösung ein und nimm einen Scheuerschwamm oder Mikrofaserlappen. Dauert dann aber ein paar Sekunden länger.

Die Lösung für alles beschichtete, ebene, glatte ist relativ einfach und meiner Meinung nach auch nachhaltig – der Ceranfeldschaber. Damit kriegt man ziemlich viel weg und er hinterlässt – ich sag’s nochmal, auf glatten, ebenen Flächen – keine Kratzer. Den Tipp hab ich von der Kochlehrerin der Hauswirtschaftsschule bekommen und seither gehe ich immer zuerst mit dem Ding an den Ofen, bevor ich mit den Wattebäuschchen… na du weißt schon.

Wenn ich das schreibe, verspüre ich allerdings immer noch leise Restzweifel. Ob man da nicht doch was ankratzt… naja bisher scheint es gut gegangen zu sein. Ist halt auf eigenes Risiko! Eigentlich wollte ich schon lange mal dem Hersteller ne Mail schreiben, ob er seine Anleitungen nicht vielleicht positiv formulieren könnte, statt sie mit Verboten zu füllen, die einem in letzter Konsequenz nicht weiterhelfen. Oder weiß die ganze Welt außer mir, dass ein Ceranfeldschaber das Mittel der Wahl ist? Ich glaube nicht.

Eingebackenes, was nicht abzuschaben ist, bestreue ich mit Waschsoda und sprühe mit einem Blumensprüher etwas Wasser drauf, bevor ich den Ofen anschalte (Soda soll nicht auf Aluminium angewendet werden, möchte ich noch dazu sagen). Bei leichten Verschmutzungen reicht es auch, wenn man den Ofen mit Sodalösung (1 Esslöffel Soda in 1 l Wasser, bei viel Fettschmutz mehr Soda) einsprüht/auswäscht, kurz einweichen lässt und dann nachwischt. Ausprobieren… jedenfalls besser als fiese Chemie mit fiesen Dämpfen. Beim Ausprobieren allerdings immer Handschuhe anziehen, da Soda nicht nur den Backofen entfettet, sondern auch die Haut, und zwar massiv.

Von Wikipedia:

Gewinnung und Herstellung:

[...]

\mathrm{2 \ NaCl + 2 \ CO_2 + 2 \ NH_3 + 2 H_2O \longrightarrow 2 \ NaHCO_3 + 2 \ NH_4Cl}
\mathrm{2 \ NaHCO_3 \longrightarrow \ Na_2CO_3 + \ H_2O + \ CO_2}
Das entstandene Kohlenstoffdioxid sowie der Ammoniak aus der Reaktion des Ammoniumchlorides mit Calciumoxid oder Calciumhydroxid werden dabei wieder in den Prozess zurückgeführt, was diesen sehr wirtschaftlich (und so zu einem der ersten in großem Stil praktizierten chemischen Kreisprozesse) machte.
\mathrm{2 \ NH_4Cl + \ CaO \longrightarrow 2 \ NH_3 + \ CaCl_2 + \ H_2O}

 

Für mich ist dieser chemische Kram nichts, was ich lese und sofort checke, aber das hier ist jetzt auch nicht “rocket science” – es bedeutet grob gesagt, dass die Gewinnung durch den Kreisprozess umweltschonend ist. Die Stoffe, die bei der chemischen Reaktion am Ende außer dem Soda übrig sind, werden nicht in den Fluss gekippt, sondern wieder verwendet, um neues Soda zu gewinnen.

Ganz allgemein gesprochen hilft mir bei der Entscheidung, zu welchen Mitteln und Materialien ich diesmal greife, um mein Ziel zu erreichen, oft der so genannte “Sinner-Kreis”. Der stellt dar, was jeder Hausfrau aus der Praxis ganz selbstverständlich klar ist, aber nicht immer so ganz bewusst:

Sinnerkreis

Das ist leicht zu verstehen; es handelt sich um die vier Faktoren, die ich nutzen kann, um eine Reinigungswirkung zu erzielen. Egal, was du sauber machen willst – Wäsche, Fenster, dich selbst ;-) das brauchst du immer, mal mehr, mal weniger (es gibt auch noch Kreismodelle, in denen Wasser extra aufgeführt ist). Auf dem Bild schaut es jetzt so aus, dass der Kreis voll ist, das steht für uns für 100% der gewünschten Wirkung. Nun kann ich die Segmente aber dehnen oder stauchen, zum Beispiel kann ich sagen: ich bin faul, ich will nicht schrubben (d.h. die “Mechanik” würde abnehmen), um die gleichen 100% Wirkung zu erzielen, müsste ich in der Folge entweder die Temperatur, die Zeit oder die “Chemie” erhöhen.

Wenn ich also möglichst umweltschonend putzen oder waschen will, ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, was ich mit einem Mehr an Mechanik, Temperatur und Zeit schaffen kann, um auf überflüssige Chemie zu verzichten. Und dann ist es so, dass man manche Sachen wissen muss, um sie zu wollen.

Wenn ich zum Beispiel denke, der einzige adäquate Ersatz für den giftigen Backofenreiniger ist stundenlanges Schrubben von Hand, will ich das eher nicht. Oder vielleicht nur einmal im Jahr. ;) Wenn ich aber weiß, mit etwas Soda, Wasser, Einwirkzeit und ggf. erhöhter Temperatur bekomme ich auch gute Ergebnisse, dann klingt das schon eher nach etwas, das ich will. :)

(Waschsoda gibt es von Holste übrigens sehr plastikarm :) )

Ich will schon die ganze Zeit einen Beitrag zum Thema Spülmaschine schreiben. Bis ich das mal geschafft habe, tut mir den Gefallen und benutzt gekauftes Spülmaschinenmittel. Es geistern so viele Rezepte für selbstgemachte Spülmaschinenmittel durchs Netz, die ich allesamt als Rezepte fürs Spülmaschinentöten sehen würde. In dem Fall gibt es für mich genau zwei Möglichkeiten: ich will keine fiese Chemie in der Spülmaschine haben, also spüle ich von Hand. Oder ich will nicht von Hand spülen, also benutze ich fiese Chemie in der Spülmaschine. Wobei es da sicher auch bessere und schlechtere Mittel gibt, aber ich würde da nichts riskieren. Spülmaschinen sind da wirklich ein eigenes Thema und ich hoffe, ich finde jetzt bald mal die Zeit dafür!

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